Donnerstag, 15. Mai 2014

Erinnerungen.

Wenn ich im Wohnzimmer auf dem Sofa sitze, habe ich meinen Gliederkaktus auf der Fensterbank gut im Blick. Ich wollte ja eigentlich keinen Kaktuspost mehr schreiben, aber da mein Kaktus sich vorgenommen hat, zu ungewöhnlicher Jahreszeit blühtechnisch alles zu geben, will ich das auch angemessen honorieren!




Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass er ein Erbstück meiner Mama ist, die 2011 verstarb und mir immer noch sehr fehlt. Anfangs machte er etwas schlapp, was sicherlich an meiner unsachgemäßen Behandlung lag, aber mittlerweile hat er sich sehr gut erholt und erfreut mich wieder einmal mit seinen wunderschönen, pink-magentafarbenen Blüten. Jedes Mal wenn er blüht denke ich: " Wo holt der das nur her?"




Eigentlich ist dieser Kaktus so ziemlich das einzige und liebste Erinnerungsstück, welches mir geblieben ist. Mehr wollte ich auch gar nicht. Es war mir egal, dass ihr wertvolleres Hab und Gut schneller in den Taschen diverser Verwandter verschwunden war, als man gucken konnte.

Meine Mama hat ihre Pflanzen geliebt, und sie hat die Vögel geliebt, die ihr kurioses Arrangement aus Vogelhäuschen, selbstgebautem Futterplatz und Sitzvorrichtungen auf dem Balkon besucht haben. Ich habe mich damals schon mit ihr darüber gefreut. Aber erst jetzt wird mir bewusst, mit welch tiefer Freude sie mir immer davon erzählt hat.
 Kinder. Wohlmeinend. Aber immer auf dem Sprung. Immer zu oberflächlich. Könnte ich die Zeit zurück drehen, würde ich mich mit ihr in den Sessel setzen und stundenlang warten, ob denn das Dompfaff Pärchen heute vorbei geflogen kommt, ob die dicke Drossel die kleinen Meisen verscheucht, und ob sich gar ein Eichelhäher frech und keck die leckeren Nüsse vom Futterplatz klaut. Ich würde einfach ihre Hand halten und bei ihr sein.



Es gibt noch einen Menschen, der mir schmerzlich fehlt. Die Schwester meiner Mutter, Tante Hedi. Gestorben ist sie vor 10 Jahren, nicht so erniedrigend und furchtbar wie ihre Schwester, sondern schön, friedlich und schnell. Sie war ein wunderbarer Mensch. Mein liebstes Andenken an sie sind diese drei Elefanten, die das Bord in der Küche zieren und bei deren Anblick ich immer mit einem Lächeln an diesen wundervolle Frau denken muss, die jederzeit jedem alle Liebe geschenkt hat, die sie in sich hatte. Ohne Ansehen der Person, ohne Wenn und Aber. Mein großes Vorbild. Manchmal stelle ich vor, wir drei hätten noch einen Tag miteinander... was würde ich ihnen noch alles sagen, was würde ich ihnen Gutes tun können?




Ich vermisse euch.

Kommentare:

Tina hat gesagt…

Ach Gabi .... deine Sätze machen mich nachdenklich .... ich glaube, man denkt immer, man war nicht aufmerksam genug, hat nicht genug Zeit verbracht mit seinen Lieben .... wenn sie dann nicht mehr da sind. Ich kenne das Gefühl sehr gut und ich habe auch Erinnerungsstücke hier in meiner Wohnung. Auch Kakteen, die jedes Jahr im Sommer reichlich blühen, das ist dann immer wie ein Gruß meiner damals besten Freundin, die schon 1992 von uns ging. Ich habe und werde sie nie vergessen. Auch von Familienangehörigen habe ich Erinnerungen und manchmal stelle ich mir auch die Frage "war ich zu schnell, zu oberflächlich, einfach nur im Stress und schnell wieder weg?" Diese Fragen werden uns in diesem Leben wohl nicht mehr beantwortet werden .... was bleibt sind wundervolle Erinnerungen ... Menschen, die eine Lücke hinterlassen haben, die man schmerzlich vermisst. Aaaber .... es ist auch schön, dass wir diese Menschen einmal hatten, dass sie für uns da waren .... und das isses, was mich immer wieder glücklich macht, wenn diese trüben Gedanken kommen.

Fühl dich dolle gedrückt von mir!
Liebe Grüße, Tina

Gabi hat gesagt…

Danke liebe Tina!

Du hast Recht! Man sollte an die guten, schönen Dinge zurückdenken, und sich an den Erinnerungen erfreuen. Das würde ich für meine Hinterbliebenen auch so wollen. Hm. Das hört sich jetzt an :)
Lieben Gruß zurück!

Elisabeth Palzkill hat gesagt…

Liebe Gabi,

die Gefühle lassen sich nicht nach Wunsch steuern.
Sonst wäre alles einfacher.

Sonnige Grüße
Elisabeth