Freitag, 24. Juli 2015

Was ich suche.

Was ich suche, wird mir langsam immer klarer.  Was mir über die Jahre verloren ging, überdeckt durch den Stress und die widrigen Umstände, die das Leben unweigerlich mit sich bringt, das möchte ich gern wiederfinden.

Es geht nicht um Äußerlichkeiten. Es geht nicht um Besitz. Auch nicht um andere, wie auch immer geartete materielle Dinge. Es geht um mein verschüttetes Ich!

Irgendwann, mit der Last der Verantwortung, hat es angefangen. Da war ich noch ziemlich jung, gerade in meinen 20ern. Ein freier Geist, der dachte, alles sei möglich, wurde langsam aber sicher starr, steif und ängstlich.  Es schien mir oft so, als würde ich tauchen, tauchen und nur ganz selten hochkommen können, um Luft zu holen. Mit der Zeit sind meine "seelischen Lungen" wohl leistungsfähiger geworden, ich habe einfach gelernt, noch effektiver zu tauchen. Bis ich nach und nach vergaß, was das Leben eigentlich ist. Bis ich nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin, und was mich ausmacht.

Doch je älter ich werde, desto vehementer regt sich mein ursprüngliches Ich, das Kind in mir, und möchte endlich wieder frei sein. Ich bemerke, dass ich wieder anfange, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Dass es mir egal ist, was Andere darüber denken, wenn ich mein Leben so und nicht anders lebe. Dass ich die Welt um mich herum, alles Leben und alles Sein, wieder mehr und mehr mit Staunen und Ehrfurcht betrachte. Dass ich aufhöre zu streben und mich treiben zu lassen von äußeren Antreibern und anfange, zu sein.



Ich erinnere mich gut an stundenlanges Insektensuchen auf einer großen Wiese nahe bei unserem Haus. Das Liegen im Gras und das zeit vergessende Suchen nach Wolkenbildern. Den Geschmack der dunklen Kirschen vom Herzkirschenbaum vor dem Haus, das Spielen mit meinem Hund. und an den Genuss eines Weißbrotes mit Leberwurst draußen im Sommerwind, ganz ohne Sorge um Kalorien, Nährstoffe und Fettgehalt. Das Rodeln bei Schneemassen, die wir hier wohl nie bekommen werden und das Gefühl, abends halb erfroren eine schöne Tasse Kakao zu trinken. Immer war ich ganz im Moment. Fast nie mit dem Gedanken ganz woanders. Immer in der Jetztzeit, in einer gefühlten Ewigkeit. 

Jophi- GNU Free Documentation License.

Da war kein Gedanke an Alltagssorgen, an Zipperlein oder gar an die Endlichkeit des eigenen Lebens. Da war nur Neugier, Lust zu spielen, zu erfahren und zu genießen.

Es wird wohl nie wieder ganz so werden, geht ja gar nicht, dazu fordert das Leben zu viele reife und erwachsene Entscheidungen und Handlungen von uns. Aber so ein bisschen, immer ein bisschen mehr, bis es mir irgendwann geht wie den alten Leuten, die sprichwörtlich wieder wie die Kinder werden, das wünsche ich mir!




Kommentare:

Elisabeth Palzkill hat gesagt…

Liebe Gabi,

das hast du sehr schön beschrieben.
Ich kann es nachvollziehen.

Sonnige Grüße
Elisabeth

Astrid Ka hat gesagt…

Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

Astrid Ka hat gesagt…

Das ist, glaube ich, ein Teil der Lebensreise, dass man sich selbst verliert über all den Aufgaben, den Ansprüchen der Rollen, die man sich selbst auferlegt, dem Bild, das man in jungen Jahren von sich entworfen hat. Und das alles nur einen Bruchteil von dem ausmacht, der man ist. Meine Chance: Oma sein, Rentnerin sein. Zumindest ein bisschen habe ich mich selber zurückerobert. Nur das Wissen um meine Endlichkeit, die kriege ich nicht mehr aus dem Kopf.
Dir alles Gute!
Astrid

Pyrgus hat gesagt…

Danke, liebe Elisabeth. Das erfährt wohl Jeder auf die eine oder andere Weise. Liebe Astrid, das stimmt, man läuft einem Bild nach und muss die Anforderungen bedienen. Ich wünschte, ich könnte es meinen Kindern von vornherein leichter machen und ihnen sagen, dass es nicht so weit kommen muss. Aber es lässt sich glaube ich gar nicht verhindern. Sie müssen, genau wie wir, ihre eigenen Erfahrungen machen.
Liebe Grüße an euch!

mme ulma hat gesagt…

und ich glaube, was man sich wünscht, das passiert auch, wenn man nur die richtung nicht vergisst. und das wirst du nicht – hast ja immerhin hier schon den wegweiser aufgeschrieben zum immer-wieder-nachsehen.

Astrid Ka hat gesagt…

So ist es! Ich würde gerne all die schmerzhaften Erfahrungen abnehmen, aber es geht nicht.
GLG