Donnerstag, 21. April 2016

Wildwechsel.....

So könnte man es auch nennen. So kommt es mir vor. Wechseljahre, die zweite Pubertät. Ich befinde mich so ganz am Anfang dieses neuen Lebensabschnittes, und wie beim ersten Mal passiert jede Menge Aufregendes, Verstörendes. Zustände und Befindlichkeiten, die mir bislang eher fremd waren, überraschen mich von Zeit zu Zeit. Entweder treten sie mit einem lauten Tusch in Erscheinung, oder sie schleichen sich ein, klopfen zaghaft an, und, wenn sie sich dann vertraut gemacht haben, bleiben sie einfach...

Und genau wie damals, als mich das Leben mit seiner unausweichlichen Entwicklung in den neuen Seinszustand katapultierte, als nie gekannte Gefühle, körperliche Veränderungen und seelische Turbulenzen an der Tagesordnung waren, stehe ich auch jetzt hier mit einem abwartenden Staunen, was noch passieren mag.



Damals war das aufregend. Mit wesentlich weniger Sorgen im Kopf und wesentlich mehr Enthusiasmus, das Leben zu erobern und meinen Weg zu finden, war es viel einfacher, die Veränderung vom Kind zur jungen Frau zu durchleben. Die Veränderung von der gebärfähigen Frau mit beiden Beinen mitten im Leben zur " Frau im Endstadium" fällt mir wesentlich schwerer.

Alles, was in der ersten Pubertät erlangt wurde, jugendliche Frische und Attraktivität, die Fähigkeit, Kinder zu bekommen und aufzuziehen, die Kraft, einen langen, mit Arbeit bis zum Platzen angefüllten Tag zu meistern, all das muss nun über einen längeren Zeitraum hinweg Stück für Stück verabschiedet werden. Und das bei vollem Bewusstsein. Nicht mit der kindlichen Unbedarftheit von damals. Die zweite Pubertät hinzunehmen und anzunehmen, die Vorteile auch hierin zu erkennen, das ist ein verdammt hartes Stück Denkarbeit.

Da sind die kleinen Begegnungen draußen... während es früher durchaus vorkam, dass ich hier und da einen interessierten Blick zugeworfen bekam, fühlt es sich in letzter Zeit so an, als wäre ich nicht mehr da. Als hätte die mittelalte Frau, die ich morgens im Spiegel sehe, nicht auch noch gute Tage im Gesicht :) Wenn ich heute im Bus länger angeschaut werde, kann ich davon ausgehen, dass mein Make up verschmiert ist. Der junge Mann gegenüber würde mich zwar gerne ansprechen, um mir zu sagen, dass ich mit meinem schwarzen Mascaraschatten aussehe wie ein Pandabär. Er traut sich aber nicht, weil meine neuen Schlupflider meinem Blick etwas so Strenges geben. 

Die Sorge, mein Kleidungsstil sei zu jugendlich, wie ich vor einigen Jahren noch dachte, hat sich von selbst erledigt. Irgendwann ist mir die Lust zum exzentrischen Verkleiden abhanden gekommen. Zwar ziehe ich mich immer noch gern schön und gut und modisch an. Aber dieses kleine bisschen freakige, dieses Festhalten von Vorlieben über die Zeit hinaus, das ist vorbei. Meine Fakelederleggings ziehe ich nur noch zu Hause an. In der Hoffnung, dass wenigstens der Mann noch was davon hat. Und wenn er es einfach nur praktisch findet, dass man die Saucenflecken so schnell von der Hose bekommt.

Nein, Scherz! Mein Mann gibt mir wahrlich nicht das Gefühl, alt geworden zu sein. Wenn er es manchmal denkt, dass seine Frau sich verändert hat, dann sagt und zeigt er es nicht. Wir Beide miteinander sind immer noch so verrückt und lustig und wild miteinander wie damals. Nur, dass ich mir manchmal nen Lappen über den Kopf.... naja. Egal. Es ist nur so gemein! Während ihm das Alter mit einigen Falten einen markanten Gesichtsausdruck beschert, zu dem die silbernen Strähnchen wunderbar passen, beschert es mir den Gesichtsausdruck eines Breitmaulfrosches, mühsam antrainiert, um das leichte Hängekinn und die beginnenden Marionettenfalten im Schach zu halten. 

Aber! Einen Beweis meiner inneren Jugendlichkeit trage ich mit heiligem Trotz durch den Tag! Und werde es auch noch eine zeit lang tun. Mein selbst genähter Jeansschulterbeutel aus meiner alten Lieblingsjeans ersetzt mir jede noch so komfortable Ledertasche! Er ist quasi ein Ausdruck dessen, was mir immer klarer wird:



Innen sind wir immer noch wir selbst! Da ist Etwas, das ändert sich nicht. Niemals. Ist das die Seele, der Archetyp, das eigentliche Sein? Ich weiß nicht, wie man es nennt. Die Summe meiner Anlagen, gepaart mit dem mir zugedachten Lebensfunken vielleicht.

 Das weibliche Wesen, dass die Natur über alles liebt, vor Mitleid zerfließen kann, ein erhebendes Musikstück niemals ohne Tempopackung hören sollte, von Grund auf lustig und fröhlich ist, ein starkes Gerechtigkeitsempfinden hat und das Leben mit allen Sinnen liebt und genießt.
Diese Person ist immer da, fühlt immer gleich und ändert sich nicht. Vielleicht haben schlimme Erlebnisse harte Krusten darüber gebildet, aber darunter ist sie noch, präsent wie eh und je.

Manchmal kommt sie in den Träumen zum Vorschein, meist in den Träumen, die einen in eine Welt versetzen, wo Mutter und Vater noch da sind. Morgens aufzuwachen und umzuschalten von Vergangenheit in die Gegenwart ist dann manchmal hart. Aber auch nur Übungssache....

Es ist, wie es ist. (Der Spruch meines Lebens!)  Und es hat natürlich auch sein Gutes! Zum Beispiel kristallisiert sich zunehmend heraus, was wirklich wichtig ist. Die Erfahrung hat einen schon so Vieles gelehrt. Man ist noch fit genug für Vieles, muss es aber nur noch tun, wenn man wirklich möchte. Man steht mit beiden Beinen fest im Leben und weiß, dass man schon zigmal wieder aufgestanden ist, und es vermutlich auch ein Weiteres mal schaffen wird. Die Freude darüber, dass man so weit kommen durfte, macht einen dankbar und demütig. Dies wiederum führt dazu, dass man die Dinge, die das Leben noch für einen bereit hält, umso wertvoller empfindet und umso mehr schätzt.

Neuerdings bleiben meine Augen an Textüberschriften wie: "Noch 25 Sommer!" oder: " Auch der Herbst hat schöne Tage!" hängen. Sowas hat mich bis vor Kurzem nicht die Bohne interessiert. Naja, zumindest reagiere ich innerlich noch mit Widerstand und denke: Na und, das werden die besten 25 Sommer meines Lebens! (besser 35)  Aber schon interessant, dass solche Themen mich plötzlich interessieren. 

Für die Mütter unter uns ist es leichter. Wenn wir nicht gerade mit der wunderschönen Tochter durch die Stadt flanieren, und die Blicke der Männer uns signalisieren: " Boor Alte, wenn du nicht dabei wärest...." dann sind wir in einer wichtigen Vorbildfunktion. Wer, wenn nicht wir kann den Kindern zeigen, dass auch ein Leben jenseits der 35 noch sehr lebenswert sein kann. Kann sie an den eigenen Fehlern und Erfolgen, Erfahrungen und Lerneinheiten teilhaben lassen. Allein diese Aufgabe, zusammen mit dem Auftrag, für die Kinder und vielleicht Kindeskinder so fit wie möglich zu sein, ist Antrieb genug, sich nicht hängen zu lassen und neugierig auf das Leben zu bleiben. 

Also bin ich tapfer und gehe hoch erhobenen Hauptes weiter. Wird schon schiefgehen... :) 

Es gibt eine wundervolle, kleine Filmserie von Doris Dörrie zum Thema. Sie heißt "Klimawechsel". Ich habe so gelacht, mich manchmal wiedergefunden, und auch mal ein Tränchen verdrückt. Kann ich nur empfehlen. Hier ein kleiner Ausschnitt:





Sonntag, 10. April 2016

Mein Wochen(glück)-Rückblick mit Upcycling und einer zarten Liebschaft!

Wieder eine Woche rum. Und wieder gab es, neben einigen stressigen Erlebnissen, auch genug Schönes, dass es wert ist, hier festgehalten zu werden. Von manchen Erlebnissen habe ich keine Fotos gemacht. Zum Beispiel haben Herr Pyrgus und ich entdeckt, dass die neue Shopping Mall in Aachen ganz oben eine rieeesige Fressmeile hat. Wir haben im Parkhaus geparkt und sind oben in die Mall hineingegangen. Was sage ich, ein Spezialitätenimbiss neben dem anderen! Und alles so nett dargeboten. Mit dem festen Vorsatz, nach dem Einkaufen ALLES durchzuprobieren, stiefelten wir erst mal los. Naja, geblieben ist es dann bei einem oberleckeren Döner Kebab, den mein Mann und ich  glücklich und verklärt verspeisten. Das war schön. Schön, weil es wir es zusammen erlebt haben. 

Überhaupt sind meine Glücksmomente meist klein und fein. Mehr will ich auch gar nicht unbedingt. Lieber ist es mir, ich bin der Lage, mich über die kleinen Freuden des Lebens zu freuen, die in der Summe ein glückliches Leben ausmachen.


So bin ich ausgesprochen froh darüber, dass wir den Rasen im Garten erstmalig dieses Jahr mähen konnten! Er sieht noch furchtbar farblos aus. Ich denke, er muss vertikutiert werden, besser noch, ganz ausgewechselt, da er mit sehr viel Moos versetzt ist. Aber das ist teuer. Und so bleibt er eben ein wenig fleckig und wild. Nicht englisch und vornehm. Sind wir ja auch nicht. Das Stück unten rechts war noch zu feucht, das kommt beim nächsten Mal dran. 




Dann habe ich eine Upcyclingrettungsaktion gestartet. Ich besitze einen alten, geliebten Trenchcoat. Den habe ich mal gebraucht gekauft und trage ihn schon seit Jahren. Nun sind die Ärmel vorne am Rand schon ganz abgestoßen gewesen und es sah oll aus. Da ich diesen Mantel wirklich sehr gern habe, widerstrebte es mir, ihn in die Altkleidersammlung zu geben. Und da dachte ich mir, ich versuche mal, einen neuen Rand anzunähen. Das ist für viele Nähbegabte kein großer Akt, ich weiß, aber für mich Anfängerin war es schon eine kleine Herausforderung! Naja. Mutig ans Werk gemacht, und es ist tatsächlich gar nicht schlecht geworden! Gefällt mir sogar richtig gut! Mit dem Stoff einer vor Jahren ausrangierten Bluse sieht zumindest der Ärmelabschluss wieder aus wie neu! Ein schönes Gefühl, etwas repariert zu haben. Viel schöner, als neu kaufen!



Neue Deko erfreut mein Herz! Nachdem Ostern ja nun vorbei ist, und die Osterdeko beim besten Willen nix mehr am Fenster zu suchen hat, brauchte ich was Neues. Zum Selbermachen hatte ich diesmal keine Lust, und so habe ich mir in meinem favorisierten Dekoladen in Kerkrade ein paar schöne, neue Kleinigkeiten gekauft. Die Sachen sind dort nicht teuer und trotzdem sehr ansprechend. Das Küchenfenster und mein Flurfenster erstrahlen in neuem Glanz. 



Ja... und dann durfte ich (ja doch, ich habe durch das Schlüsselloch geschaut, warum auch nicht?) Zeuge einer zarten Anbahnung werden. Nachts, auf dem Regal, bei Mondschein. Nur die Zwei, tiefe Augenblicke, lange Gespräche.... Ich ahne, an wen der heißblütige Raoul sein Herz verloren hat...


Und zu guter Letzt zeige ich euch, wie mein Kater guckt, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Ich liebe ihn. Überhaupt sind die beiden Moglis wirklich süß miteinander! Besonders, wenn mein Mann und ich abends einschlafen wollen! Dummerweise hatte ich vergessen, die blaue Ikeatasche hochzustellen. Selbst schuld, denn es ging den ganzen Abend im Wechsel: rein in die Tasche, raus aus der Tasche, andere Katze: rein in die Tasche, wieder raus. Und natürlich ein Katzengequatsche vom Feinsten. Das war so süß, dass ich am nächsten Abend wieder "vergessen" habe, die Tasche hochzustellen. 


Mein kleines, feines Wochenglück verlinke ich bei  Frl. Ordnung! 


Sonntag, 3. April 2016

In heaven- Himmel über Aachen

Am späten Samstagnachmittag, als sich das Wetter schon zu bessern begann, hatten wir noch mal Lust, ein paar Schritte zu gehen. Das junge Kind wollte aus uns nicht bekannten Gründen unbedingt nochmal in die Stadt, und so verbanden wir Spaziergang und Stadtwunsch miteinander.

Das Wetter hellte langsam auf, hielt sich aber noch im stahlgrauen Bereich. Die Sonne konnte man schon vermuten. Zumindest regnete es nicht, was gut war, denn mein Mann und ich mussten eine längere Zeit vor diversen angesagten Läden stehen und warten. " Wir müssen leider draußen bleiben!"
Vielleicht sollte man mal so eine Warteecke für Eltern einrichten. Wie das so ist, wenn man mit 15 die eigene Unabhängigkeit mehr und mehr entdeckt und genießt. Das ging so lange, bis eine heiß gewünschte, modische Jogginghose am Ständer hervorblitzte. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir durften dann doch noch mit in den Laden, um ihn dann wenige Minuten später mit einem tütenbehangenen, strahlenden Teenager wieder zu verlassen. So ist das. So war das immer. Und so ist das voll ok.

Dann endlich konnten wir noch unsere beliebte Aachenrundroute laufen, die sogar noch ein leckeres Eis bereit hielt. Die Kugel 1,20 Euro. 2,40 D- Mark! Ja, ich rechne noch um, denn mein Gehalt wurde mir ja auch halbiert :))
Aber das macht man ja nicht immer. Und ich mache es das nächste Mal gar nicht mehr, denn für so ein teures Eis hat es reichlich wässrig geschmeckt. Schade. Dann wenigstens noch ein Himmelsfoto schießen, dachte ich mir. Und versuchte, das Rathaus einigermaßen erkennbar abzulichten.






Das ist die Frontansicht vom Markt aus gesehen. Ich liefere noch bessere Fotos nach, bei schönerem Wetter und mehr Muße zum Fotografieren. Das Rathaus ist 686 Jahre alt und wurde seit seiner Erbauung einige Male teilweise zerstört, wieder aufgebaut und verändert. 

" Mit dem Bau des Aachener Rathauses wurde 1330 begonnen. Man errichtete es auf den Grundmauern eines verfallenen Palastes, der "aula regia" der Aachener Kaiserpfalz aus der Karolinger Zeit. Ein Teil eines der beiden Rathaustürme, der sogenannte Granusturm, sowie ein Teil des Mauerwerks der Rückseite des Rathauses stammen noch aus der Zeit Karls des Großen.

1349 wurde der Bau vollendet. Bis 1531 fanden im Krönungssaal die Festessen der Aachener Krönungen statt, Das Rathaus diente als Verwaltungsgebäude und Festhaus, sowie als Aufbewahrungsort für Urkunden  und einem Teil der städtischen Waffen nebst Munition."

( Weitere Informationen hier: Wikipedia/Aachener Rathaus )

Ein geschichtsträchtiger Bau! Und auf jeden Fall ein lohnender Punkt auf der Route für eine Sightseeingtour durch Aachen! Meine dilettantischen Fotos werden dem imposanten Bau nicht gerecht. 

Als junge Frau habe ich immer die Sommerabende vorm Rathaus geliebt. Überall auf dem Boden des Marktplatzes verteilt sassen Grüppchen von jungen Leuten und redeten und lachten und genossen das schöne Beisammensein. Ich weiß gar nicht, ob es heutzutage noch so ist.... nehme mir fest vor, an einem lauen Sommerabend mal wieder hinzugehen und nachzuschauen...

meinen stahlgrauen Aachenhimmel schicke ich zu Katja Raumfees "in heaven"